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Schule im Nationalsozialismus © izrg

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten soll ein "neuer Geist" in die Schulen einziehen. Zunächst werden erklärt republikanische und vor allem jüdische Lehrkräfte auf Basis des "Berufsbeamtengesetzes" aus dem Dienst entlassen. Der Großteil der Lehrerschaft steht positiv zur NS-Bewegung und passt sich freiwillig an: 1936 sind laut Parteistatistik 97 % aller schleswig-holsteinischen Lehrkräfte Mitglieder des NS-Lehrerbundes.

Das Schulprogramm der NSDAP zielte in erster Linie auf "Erziehung" und Vermittlung von "nationalsozialistischen Idealen"; "Wissensvermittlung" ist weniger wichtig. Plötzlich gelten so genannte "Marschleistungen" mehr als alles andere. Am spürbarsten wandelt sich der Schulalltag durch neue Gemeinschaft stiftende Rituale und Feiern: Ab Sommer 1933 beginnt und endet jede Unterrichtsstunde mit dem "Deutschen Gruß", Ferien beginnen und enden mit "Flaggenappellen", das NS-Feierjahr bescherte den Schülerinnen und Schülern eine förmliche Inflation an Feierstunden und neuen schulfreien Tagen. Allein drei schleswig-holsteinische Gymnasien - in Bredstedt, in Heide und in Flensburg - dürfen den insgesamt in Preußen nur neunmal vergebenen "Ehrennamen" "Adolf-Hitler-Schule" annehmen - nicht zu verwechseln mit der 1937 eingeführten "Adolf-Hitler-Schule", einem NS-Eliteschultyp. Das Internat der ehemaligen Kadettenanstalt in Plön ist die erste "Nationalpolitische Erziehungsanstalt" (Volksmund: Napola) überhaupt, die der NS-Staat zur Förderung einer neuen NS-Elite ersinnt.

Der inhaltliche Neubeginn verläuft zögerlich: Es gab kaum neue Schulbücher, auch neue Lehrpläne erscheinen erst Ende der 1930er Jahre. Doch Erlasse des preußischen Unterrichtsministeriums verändern schon 1933 die Lehrinhalte von drei, den Nationalsozialisten besonders wichtigen Fächern: Sportunterricht hat fortan auch "Wehrturnen" zu bieten, der NS-Geschichtsunterricht soll den "völkischen Gedanken", "große Führergestalten" und das Ziel eines "großgermanischen Reiches" in den Mittelpunkt rücken, schließlich muss vor allem das Fach Biologie "Vererbungslehre, Rassenkunde, Familienkunde und Bevölkerungspolitik" intensiv unterrichten. Auch der Deutschunterricht, die Fächer Heimat- und Erdkunde sowie Musik und Kunst sind nun stark mit NS-Inhalten durchsetzt. Ein geschlossenes nationalsozialistisches Lehrprogramm gibt es jedoch nie. Dennoch gilt Pädagogik, die per se die Entfaltung des Menschen in den Mittelpunkt rückt, als veraltet; dagegen bilden die Nichtswürdigkeit des Individuums und die Übersteigerung von Volk und Gemeinschaft auch in der Schule die erzieherische Leitlinie.

Jüdische Schülerinnen und Schüler isoliert der NS-Staat Schritt für Schritt, um sie schließlich ganz aus dem Bildungswesen zu drängen: Das "Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen" vom 25. April 1933 beschränkt ihren Anteil auf maximal 1,5 %, 1936 sollen allen Kommunen mit mehr als 20 jüdischen Kindern gesonderte Schulen einrichtet. Nach der Reichspogromnacht schließt ein Erlass jüdische Kinder und Jugendliche von allen öffentlichen Schulen aus, die letzten eigenen Schulen der jüdischen Gemeinden werden im Vollzug der Deportationen im Sommer 1942 geschlossen.

Die NS-Bewegung setzt in der Umsetzung ihrer Erziehungsziele mehr auf die außernormative und mächtige "Staatsjugend" HJ, als auf staatliche Bildungs- und Erziehungsinstitutionen. Deshalb ist das Verhältnis zwischen HJ und Schule nicht immer ungetrübt, auch wenn die Schule durch Ausüben von Druck oft "nachhilft", dass die Kinder und Jugendlichen der HJ beitreten. Das autoritär verfasste Schulsystem sieht sich mit der gewöhnungsbedürftigen Neuerung konfrontiert, dass HJ-Dienst oft wichtiger ist als schulischer Veranstaltungen und Vorhaben: Wenn 17-jährige HJ-Führer ihren Lehrern zackige Vorschriften machen, kann das Lehrkräfte verstören.

Siehe auch:

Die Reichspogromnacht in Schleswig-Holstein
Eine Abbildung aus dem verbreiteten Kinderbuch 'Der Giftpilz'
'Gruverkehr in den Schulen'
Aufgabe 97
"Rassenhygiene"
Die 'Nationalpolitische Erziehungsanstalt' Pln
Kein normales Sportfest mehr
Beeinflussung von Grundschulkindern

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