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Der 'Landjugendverband Schleswig-Holstein e.V.' © izrg

Am 13. September 1950 wählen die Delegierten der Gründungsveranstaltung in Rendsburg die Hauswirtschafterin Anneliese Claußen aus Westerrönfeld zur Vorsitzenden des "Landjugendverbandes Schleswig-Holstein e.V.". Dieses Amt teilt sich die 26-jährige mit dem gleichaltrigen Landwirt Claus-Hinrich Kasper, ebenfalls aus Westerrönfeld.

Die Frau gleichberechtigt an der Spitze des Verbandes symbolisiert die Modernität der neuen Jugendorganisation, die dem traditionell konservativen Bauernverband des Landes sehr nahe steht. Dieser hat die Gründung der Landjugend maßgeblich vorangetrieben. Welche Erwartungen die Bauervertretung in den neuen Jugendverband setzt, bleibt unklar; zumindest soll er von Beginn an unabhängig sein. Besonders in den Anfangsjahren muss die Landjugend nach ihrem Platz zwischen Tradition und Moderne suchen. Denn auch Zielsetzungen einzelner Mitglieder weichen stark voneinander ab: Von bäuerlich traditionell über konservativ bis völkisch sind vielfältige Ausrichtungen vertreten. Der Landjugendverband sucht sich dennoch rasch einen eigenen Weg und die Strukturen, die die Mitglieder bei der Gründungsveranstaltung mit der Satzung verabschieden, sind durch und durch demokratisch. Der Verband wird konsequent "von unten nach oben" strukturiert. Bei der Gründung des Landesverbandes bestehen bereits eine Reihe eigenständiger Ortsgruppen gleicher Zielsetzung, die dem Landesverband nach und nach beitreten.

Die Satzung gibt Auskunft über die Ziele der zukünftigen Verbandsarbeit, die mit den Schlagworten "Bildung, Geselligkeit und Traditionspflege" umrissen sind. Die einzelnen Gruppen bieten ihren Mitgliedern eine vielfältige Auswahl von Themenabenden an, die sich zunächst auf land- und hauswirtschaftliche Themen beschränken. Im Zuge der allgemeinen Politisierung während der 1960er Jahre diskutieren die einzelnen Gruppen auch intensiv gesellschaftliche und politische Probleme. Diese Debatten setzen sich häufig auf den Landjugendseiten des "Bauernblatts für Schleswig-Holstein" fort. Allerdings präsentiert das Blatt den Jugendlichen abschließend oft eine Lösung, die das dörfliche Miteinander nicht allzu sehr strapaziert.

Die bäuerliche Prägung des Verbandes zeigt sich bei Berufswettkämpfen, bei denen Vertreter einzelner regionaler Gruppen in typischen land- und hauswirtschaftlichen Disziplinen gegeneinander antreten. In diesem Rahmen finden die auch heute noch üblichen Wettbewerbe im "Leistungspflügen" statt. Im Sommer organisiert der Verband gemeinsame Fahrten und Feiern.

Von Beginn an steht der Landjugendverband allen Heranwachsenden offen, egal welcher Herkunft sie sind. Allerdings erreicht die Landjugend erst nach und nach ihr Ziel, die gesamte Jugend auf dem Lande zu integrieren. Im Gründungsjahr 1950 liegt der Anteil landwirtschaftlicher Jugendlicher bei 90 %, 1970 sind es nur noch 50 % und 1990 sind lediglich 20 bis 30 % der Mitglieder landwirtschaftlicher Herkunft. Infolge dieses Wandels der Mitgliederstruktur verändern sich im Laufe der Zeit auch die Aktivitäten der Landjugend. Während diese in den Anfangsjahren oft einen landwirtschaftlichen Bezug haben, stehen in der Gegenwart - zur Jahrtausendwende hat der Landjugendverband etwa 6.000 Mitglieder zwischen 14 und 30 Jahren - allgemeine ländliche Kultur und Tradition wesentlich stärker im Vordergrund.

Siehe auch:

Stolze Jungbauern
Hans Magens
Berufswettkampf 1963
Infobroschüre

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