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Der 'Wandervogel' in Flensburg © izrg

In Flensburg fühlen sich zahlreiche Jugendliche den Ideen des "Wandervogels" zugetan. So entstehen 1910 dort gleich zwei "Wandervogel"-Gruppen - eine im Mai am staatlichen Gymnasium, die andere vor den Herbstferien an der städtischen Oberrealschule. Die beiden Gruppen schließen sich bereits vier Monate später zu einem gemeinsamen Verein zusammen. Als Ortsgruppe gehören sie dem größeren Bund "Wandervogel Deutscher Bund für Jugendwanderungen" an. 1913 verschmilzt der "Wandervogel Deutscher Bund" mit anderen Bünden zum "Einigungsbund Wandervogel e.V."

Die Vereinsmitglieder erleben in der Gruppe eine außergewöhnliche Gemeinschaft - die zwischen Gleichaltrigen, aber auch die zwischen Älteren und Jüngeren. Das gemeinsame Du, das Erlebnis der "Fahrt" und das Zusammensein beim "Nestabend" verbindet die "Wandervögel". Die Jüngeren lieben die Freiheit vom Zwang des Elternhauses und der Schule, alle zusammen genießen das selbständige Abenteuer, das Diskutieren und Singen. Gemeinsam folgt eine Rückbesinnung auf die Natur und auf die eigene Heimat. So veranstaltet der Flensburger "Wandervogel" regelmäßig Tages- oder Eineinhalbtagesfahren zum Wochenende und "große" Fahrten in den Ferien. An den kürzeren Fahrten zur Erkundung der Flensburger Umgebung nehmen meist 20 bis 30 Personen teil, auf den 8-10-tägigen Großfahrten lassen die Führer die 15-20 Mitreisenden die Provinz Schleswig-Holstein erkundschaften.

Veranstaltungen, wie beispielsweise die Sonnenwendfeier am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, ragen aus dem Alltag des Vereinslebens heraus. An diesen wichtigeren Tagen kommen sehr viel mehr Mitglieder zusammen als bei den "normalen" Fahrten, denn es treffen all jene zusammen, die sich der "Wandervogelgruppe" zugehörig fühlen. Zur Sonnenwendfeier reist man gemeinsam zu einem geeigneten Ausflugsziel an die Außenförde; meist das Steilufer bei Bokholm, die Küstenebene bei Bokholmwik und der Uferstreifen bei Osterholz. An dieser Stelle errichten die "Wandervögel" ihre Zelte und eine Kochstelle und sammeln Holz für ein großen Feuer. Jeder hat eine Aufgabe, alle packen an, die Wandervögel pflegen ihre Rituale: Sobald die Sonne untergegangen ist, trifft sich die Gruppe, der "Ortsgruppenleiter" setzt den Holzhaufen in Flammen. Sobald das Feuer lodert, singen die "Mitglieder" gemeinsam, oft das Lied aus den Freiheitskriegen. Ein für viele Beteiligte unvergessliches Erlebnis ist das nun folgende, archaisch anmutende feierliche Aufnahmeritual neuer Mitglieder in die Gemeinschaft. Bevor die Flammen erlöschen, beginnen die "Wandervögel" über das Feuer zu springen; zunächst die Großen allein, dann in Zweier- und Dreiergruppen, zuletzt springen die Älteren mit den Jüngeren zusammen hinüber. Zum Schluss springen dann die jungen Mitglieder allein. Es folgt eine Nacht unter dem Sternenhimmel oder in den Zelten.

Mitglieder des "Wandervogelbundes" sind Erwachsene ab 18 Jahren, das heißt ältere Führer und so genannte "Eufrat"-Mitglieder; Mitglieder des "Eltern- und Freundesrats", der zur rechtlichen Sicherung der vereinten Gruppe gewählt worden ist. Schüler und Schülerinnen sowie andere junge Leute unter 18 Jahren gehören dem Bund nicht als Mitglied an, sondern werden in das "Buch der Wandervögel" übernommen. Sie müssen nicht an jeder Wanderfahrt teilnehmen. Die Anzahl der Flensburger Mitglieder wächst im Jahr 1912 von 54 auf 70, die der "Wandervögel" steigt sogar von 74 auf 110. Eine Ortsgruppe des "Wandervogels" besteht aus folgenden Gliedern: dem "Ortsgruppenleiter", den "Führern", den "Scholaren" ("Wandervögel") und den "Küken" (noch nicht aufgenommenen "Wandervögel"). Deutlich ist eine hierarchische Ordnung des Gruppenlebens zu erkennen. Diese soll jedoch hauptsächlich den Grad der menschlichen Reife, der Erfahrung und des Wissens wieder spiegeln.

Der Flensburger "Wandervogel"-Verein bleibt bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten am 17. Juni 1933 bestehen.

Siehe auch:

Absolute Erschpfung
Lieder des 'Wandervogels' im Wandel der Zeit
Sonnwendfeierlied
Die Flensburger Gruppe des 'Wandervogels' um1913
'Wandervogels Deutscher Bund fr Jugendwanderungen'

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