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Flensburger Frauenbewegung © izrg

Die ersten Frauenvereine in Flensburg dienen ausschließlich wohltätigen Zwecken. Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht die Unterstützung bedürftiger Kinder und Mütter. 1836 gründen Frauen den „Verein für Kleinkinderschulen“, um unbeaufsichtigte, nicht schulpflichtige Kinder zu betreuen, zu bekochen und sinnvoll zu beschäftigen. Dieser Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Verkauf selbstgefertigter Handarbeiten. Drei Jahre später folgt die Gründung des „Vereins zur Unterstützung armer Wöchnerinnen“, der bedürftige Wöchnerinnen mit Geldmitteln, Sachleistungen und Naturalien unterstützt. Er hat bis 1913 420 Mitglieder gehabt und 228 Wöchnerinnen unterstützt. In beiden Vereinen waren aber auch Männer aktiv – wenn auch nur sehr wenige – so dass man noch nicht von reinen Frauenvereinen sprechen kann.

1867 wird der erste reine Frauenverein in Flensburg gegründet: Es ist der „Weibliche Verein für Armen- und Krankenpflege“, der später in „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“ umbenannt wird. Zunächst ist diese Organisation noch von moralisch-religiösen Zielen geprägt und macht es sich zur Aufgabe, für die Armen und Kranken zu sorgen und sie zu unterstützen, selbst für den eigenen Lebensunterhalt aufzukommen. Daher gehören anfangs auch der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes und Bibelstunden zum festen Programm dieses Vereins. Innerhalb des ersten Jahres betreut er bereits 56 Personen beziehungsweise Familien. In einer Zeit der sozialen und räumlichen Trennung von Armen und Reichen und nachlassender Nachbarschaftshilfe kommt diesen von Frauen ausgeübten Aktivitäten eine immer wichtigere Bedeutung zu.

Allmählich trennt sich dieser spendenfinanzierte Verein aber von der religiösen Ausrichtung und der Bindung an die Flensburger Kirchengemeinden. Im Ersten Weltkrieg kümmern sich die Frauen des Vereins wie viele andere Frauenvereine in Deutschland auch besonders um Kriegsversehrte, Hinterbliebene und von der alliierten Hungerblockade besonders hart betroffene Familien. Zum 50-jährigen Jubiläum 1917 kann der Verein auf 6.500 betreute Arme und Kranke zurückblicken. In den letzten Kriegsjahren und den ersten Jahren der „Weimarer Republik“ geht die Zahl der Unterstützer und der betreuten Personen jedoch stark zurück.

Die meisten Mitglieder dieses ehrenamtlichen Vereins gehören dem mittleren und gehobenen Bürgertum der Stadt an und die Vereinsaktivitäten geben den Frauen auch die Möglichkeit, aus dem eingegrenzten Lebensbereich von „Küche, Kinder und Kirche“ herauszutreten, sich eine eigene Öffentlichkeit zu verschaffen und die Gleichberechtigung der Frauen voranzutreiben.

Auch die ersten dänisch gesinnten Frauenvereine in Flensburg haben ihren Ursprung im wohltätigen Engagement der Frauen. So gründet sich am 19. August 1913 als „den første virkelig filantropiske danske Forening“ in Südschleswig der „Flensborg Sygeplejeforening“. Diese Neugründung entsteht aus einer Initiative des „Udvalg for kristelig Virksomhed i Nordslesvig“, der 30 Krankenschwestern beschäftigt und im Jahr 1912 die Schwester Maren Sørensen nach Flensburg geschickt hat. Um diese Krankenschwester und ihre Arbeit zu bezahlen, tun sich 1913 elf Frauen zusammen und gründen den „Flensborg Sygeplejeforening“. Die Gründungsfrauen gehören alle zu den führenden Repräsentantinnen Nordschleswigs sowie der dänischen Minderheit in Flensburg. Auch später in den 1920er Jahren ist der Verein stets eng an die dänische Minderheit in der Stadt gebunden.

Beim Aufbau des Vereins orientieren sich die dänischen Frauen am Vorbild ihrer deutschen Kolleginnen vom „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“. Für jeden Bezirk der Stadt gibt es eine bestimmte „Vertrauensdame“ des Vereins, an die sich die Kranken wenden können. Alle Vertrauensdamen prüfen dann gemeinsam, wie den Bedürftigen am besten geholfen werden könne. Die Unterstützung reicht von Erholungsaufenthalten, Medizin, Massagen und Naturalien bis zur Ausgabe von Lebensmitteln.

Der Verein ist ein Erfolg, wächst rasch und hat 1914 schon 182 Mitglieder, die Patienten in 23 verschiedenen Häusern in der Stadt versorgen. Trotzdem decken die Mitgliedsbeiträge den Lohn der Krankenschwester nicht einmal zur Hälfte und der Verein ist zwingend auf Extraspenden angewiesen. Während des Ersten Weltkriegs wächst die Zahl der Mitglieder und der finanziellen Unterstützer des Vereins sowie die Zahl der von ihm betreuten Personen stetig an. Hauptaufgabe bleibt die Krankenpflege, aber es kommen auch die Altenbetreuung und -pflege hinzu. Die letztere Aufgabe übernimmt ab dem Februar 1921 der ebenfalls von Frauen gegründete „Gamles Værn“, so dass sich der „Flensborg Sygeplejeforening“ wieder auf die Krankenpflege konzentrieren kann. Die Vertrauensdamen des „Gamles Værn“ übernehmen ausschließlich die Betreuung der älteren dänischen Bürger und organisieren für sie monatliche Kaffeerunden, Sommerausflüge nach Dänemark sowie Weihnachtsfeiern im Flensborghus.

Nach der Volksabstimmung im März 1920 werden weitere dänisch gesinnte Frauenvereine in Flensburg gegründet. Neben ihren karitativen Aufgaben haben diese Vereine aber auch eine nationale und politische Mission. Diese zeigt sich zum Beispiel bei der Gründung des „Slesvigske Kvindeforening“. Die Gründung dieses Vereins hängt direkt mit dem Abstimmungsergebnis vom 14. März 1920 zusammen. Als sich die Flensburger für den Verbleib bei Deutschland entscheiden, entschließen sich einige enttäuschte dänische Frauen spontan dazu, den Kontakt zu ihren Landsleuten südlich der Grenze zu halten und sich auch weiterhin um sie zu kümmern. Bis zur Vereinsgründung am 20. März 1922 im großen Saal des Flensburger Hofes vergehen allerdings noch zwei Jahre. Dieser Zusammenschluss von dänisch gesinnten Frauen aus den Landgemeinden des Kreises Schleswig verschreibt sich vor allem der Krankenpflege und der Hilfe für alte und unbemittelte Menschen.

Den dänisch gesinnten Frauenvereinen geht es nicht immer primär um eine Gleichberechtigung der Frauen. Stattdessen ist es vielfach ihr Ziel, die dänische Kultur und Lebensart zu verbreiten. Besonders nach 1920 gehen viele Bemühungen um die dänische Minderheit südlich der Grenze von Flensburg aus. Ziel dieser sozialen und kulturellen Arbeit ist es, den Zusammenhalt und den Fortbestand der dänischen Minderheit südlich der Grenze zu sichern.

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