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Die Bildende Kunst Ernst Barlachs © izrg

Kunst ist für Ernst Barlach das Sichtbarmachen des Lebens in seiner ganzen Tiefe. Deshalb versucht Barlach in seinem gesamten Werk die menschlichen Grundbefindlichkeiten künstlerisch überzeugend darzustellen. Alle Details und erzählerischen Elemente lässt er weg. So wirken seine Figuren oft wie ein Traum oder eine Erscheinung.

Der vielseitige Künstler Ernst Barlach ist vor allem für sein bildhauerisches Werk bekannt. Seine Plastiken sind durch die Darstellung eines bestimmten Menschentypus geprägt. Der Bildhauer Barlach hat bei der Erschaffung seiner Figuren das Bild der einfachen Menschen vor Augen, denen er während seiner Russlandreise begegnet ist. Die Plastiken zeigen außerdem auf, was den Künstler persönlich bewegt. Es handelt sich um Themen wie Leid, Wut, Reue, Verzweiflung, Einsamkeit und Tod. Barlach rückt in seinem Werk den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung. Ihre besondere Wirkung erzielen Barlachs plastische Bildwerke durch das Darstellen und Suchen von Grenzerfahrungen. Die Titel seiner Werke machen Barlachs Interesse an allgemeingültigen Bestimmungen der Welt und des Seins deutlich: "Mutter Erde", "Gemarterte Menschheit", "Der Übergang", "Der Zweifler", "Der Rächer". Diese dramatischen Titel deuten an, dass das Werk des Plastikers dem des Bühnendichters Ernst Barlach nahe steht: Auch in seinem literarischen Werk versuchen Barlachs Gestalten mühsam ein neues Weltverständnis zu erlangen.

1926 beginnt Barlach mit der Verwirklichung seiner öffentlich aufgestellten Mahnmale zu Ehren der Gefallenen des "Ersten Weltkriegs". Die "Ehrenmale" sind eindringlich und ausdrucksvoll. Sie stellen den Krieg nicht als heilige Mission und den Soldaten nicht als Helden dar, vielmehr zeigen die Mahnmale das Unglück, das ein Krieg mit sich bringt. Barlach ergreift in seinen Werken Partei für die Opfer. Damit stellt Barlachs Kunst schon zur Zeit der "Weimarer Republik", vor allem aber während des "Dritten Reiches" eine Provokation dar. Gegen Ende der "Weimarer Republik" ist Barlach einer öffentlichen und zunehmend aggressiven Ablehnung seiner Kunst ausgesetzt, vor allem von völkisch-nationaler Seite. Barlach leidet zunehmend an den Auseinandersetzungen um seine Person und seine Kunst. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geht es ihm zunehmend auch wirtschaftlich schlecht: Ausstellungen und Aufführungen werden abgesagt, die Aufträge bleiben aus, seine Geld- und Auftraggeber sehen sich zur Emigration gezwungen und die Bewunderer seiner Kunst an deutschen Museen verlieren ihre Ämter. 1937 lassen die Nationalsozialisten die beiden Ehrenmale "Geistkämpfer" und "Schwebender" entfernen. Den Nationalsozialisten missfallen Barlachs Werke, weil der Künstler in ihren Augen "Untermenschen östlicher Prägung" darstellt und das, obwohl er ihrer Meinung nach in seiner norddeutschen Heimat verwurzelt ist und sein Handwerk beherrscht. In der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst", die am 19. Juli 1937 eröffnet wird, ist Barlach zweifach vertreten: ausgestellt sind der beschlagnahmte Band "Zeichnungen" und ein Bronzeguss.

Das grafische Werk Ernst Barlachs umfasst insgesamt 2.000 Blätter. Der Barlach-Forscher Wolfgang Tarnowski bezeichnet ihn als "einen der größten Zeichner des 20. Jahrhunderts." Der Zeichner Ernst Barlach findet, genau wie der Bildhauer, erst relativ spät zu einem eigenen Stil. Die ersten Zeichnungen und Skizzen der später so berühmt gewordenen Bettlerfiguren entstehen während der Russlandreise 1906. Sie beschreiben den Bruch zwischen Barlachs Früh- und Spätwerk. Barlach fertigt Zeichnungen an, die Menschen in Bewegung zeigen. Zudem gehören Konstruktionen von plastischen Bildvorstellungen und auch das Festhalten von spontanen Einfällen und Erinnerungen zu seinem zeichnerischen Werk. In vielen seiner Zeichnungen thematisiert Barlach den Gegensatz der Geschlechter, der Kampf zwischen Mann und Frau. So sind seine Grafiken mit Spannung aufgeladen. Charakteristisch für Barlachs Zeichenstil sind die stark betonte Umrisslinie, die ausgeprägten Diagonalen, die Einbeziehung der Gliedmaßen in die blockhafte Darstellung des Körpers und die schwerfaltigen Gewänder.

Siehe auch:

"Güstrower Domengel"
Ernst Barlach 1933
Mangler
'Wagenzug in der Steppe'
Sommerreise nach Russland
Ernst Barlach und das Ehrenmal
'Der Erweckte'
Ernst Barlach und der Nationalsozialismus
Verarmte Ernst Barlach

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