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Kindheit in Nordschleswig © izrg

Am 7. August 1867 wird Emil Nolde als fünfter Sohn des friesischen Bauern Niels Hansen und seiner Frau Hanna Christine in dem Dorf Nolde geboren. Das Dorf Nolde hat zu dieser Zeit vier Häuser, fünf Höfe und 68 Bewohner und gehört zu der Gemeinde Buhrkall in Nordschleswig. Es handelt sich um eine kleine, unbedeutende Landgemeinde, die abseits der großen Straßen im deutsch-dänischen Grenzgebiet, einige Kilometer östlich der Kreisstadt Tønder liegt. Das Dorf hat weder eine Kirche, noch eine Bahnstation, keine Schule und auch die Straße von Tønder nach Flensburg führt nördlich an ihm vorbei.

Der Maler Nolde, der sein Leben lang eine enge Bindung zu seiner Heimat hat, wird seinen Geburtsnamen Hansen 1902, nach seiner Hochzeit mit der dänischen Schauspielerin Ada Vilstrup, symbolhaft in den Namen seines Geburtsortes ändern. Den schleswigschen Mittelrücken – die Geest – seinen eigentlichen Herkunftsort, empfindet der Maler jedoch nicht als Heimat. Als Heimat bezeichnet er die nordfriesische Westküste, woher sein Vater stammt. Niels Hansen hat seinen Kindern diese Gegend in den leuchtendsten Farben geschildert und dadurch seinen Sohn Emil entscheidend beeinflusst.

Das Elternhaus ist nach Noldes eigener Erinnerung von „Frieden, viel Schönheit und etwas Religiosität“ geprägt. Von Politik hat der junge Emil in dieser Zeit nach eigenen Angaben „nie etwas erfahren“. Ihm wird auch schon als Kind bewusst gewesen sein, dass die Provinz Schleswig-Holstein und somit auch sein Landkreis seit Anfang des Jahres 1867 (seinem Geburtsjahr), nach dem Sieg der preußisch-österreichischen Koalition über Dänemark im Jahre 1864, von Preußen verwaltet wird. Die verwaltungsmäßige Eingliederung nach Preußen wird von den meisten Bewohnern Schleswig-Holsteins und vermutlich auch von Noldes Eltern abgelehnt, denn die Einnahme beendet das staatliche Sonderleben der Herzogtümer, das sie bis zu diesem Zeitpunkt über mehrere Jahrhunderte lang in Verbindung mit Dänemark geführt haben. Die preußische Einverleibung hat einschneidende Veränderungen in Organisation und Verwaltung des Landes zur Folge.

Nolde, der nur wenige Jahre vor der Gründung des „Deutschen Reiches“ geboren wird, besucht ab 1873 die einklassige Dorfschule, die er von Beginn an als Zwang empfindet. Anders als bei seinen Geschwistern bleiben bei ihm die Erfolge aus. Er selbst beschreibt sich als einen unwilligen und faulen Schüler. Mit neun Jahren muss er sogar eine Klasse wiederholen. Schon früh entdeckt der junge Bauernsohn seine Freude am künstlerischen Schaffen. Nolde ist ein verträumtes Kind, das sich gern in sich selbst zurückzieht. Sein praktisch veranlagter Vater hat für seinen Sohn nur wenig Verständnis. Nolde spürt diese Ablehnung und fühlt sich als Kind zurückgesetzt.

Mit Holunder- und Rotebeetesaft macht der junge Nolde seine ersten Malversuche. Zum Weihnachtsfest erhält er zu seinem Glück einen Farbenkasten. Von nun an zeichnet und malt er wie besessen und vergisst dabei alles um sich herum. Nach dem Ende der Schulzeit will Nolde Kunstmaler werden. Es kommt jedoch anders: Er wird bei seinen Eltern zur Arbeit auf dem Hof eingespannt. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er später: „Ich arbeitete und lebte missmutig dahin im Staub und Schmutz der Scheune und des Stalls.“ Mit siebzehn Jahren darf er schließlich, als Lehrling im Holzschnitzen, die Sauermannsche Möbelfabrik und Schnitzschule in Flensburg besuchen. Er ist der erste der Familie, der das Dorf hinter sich lässt.

Der Maler Emil Nolde verbringt seine Kindheit im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Die Grenze prägt ihn. So ist sich Nolde zeitlebens seiner nationalen Herkunft sehr bewusst. Nolde wächst im deutschen Schleswig heran, das ganz selbstverständlich deutsch und dänisch geprägt ist. Dennoch reagiert einer seiner Brüder abweisend, als Nolde seine dänische Frau Ada den Eltern vorstellt. Und bei Verwandtschaftsbesuchen in Dänemark nach dem Ersten Weltkrieg spürt er bei der Familie seiner Frau die ablehnende Haltung gegenüber ihm als Deutschen.

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