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Worte am Rande © izrg

„Worte am Rande“ – eine Sammlung von Gedanken, Fragen und Träumen, die Nolde von Anfang 1940 bis über das Kriegsende hinaus niedergeschrieben hat. Sie begleiten die Arbeit an den „ungemalten Bildern“. Diese persönlichen Notizen, die er mit Bleistift auf kleinen Zetteln und in Notizheften festhält, trägt der Maler stets bei sich und bewahrt sie später in kleinen Farbkästen auf.

Die ersten „Worte am Rande“ sind undatiert, den anderen fügt Nolde ein Datum hinzu. Am 7. September 1941, einige Wochen nach dem verhängten „Malverbot“ der Nationalsozialisten, hält Nolde fest: „Zwölftausend Impotente, mit aller erdenklichen Gunst und allen Mitteln bedacht, sind losgelassen, um wenige Schaffende zu erdrosseln.“ Noldes Meinung hat sich nun also verändert. In den „Worten am Rande“ äußert er sich kritisch über die Nationalsozialisten. Nolde, der sich während der NS-Zeit missverstanden fühlt und versucht, sich mit Briefen dagegen zu wehren, stellt sich in diesen persönlichen Notizen als resigniertes Opfer dar, das nun, nachdem es endlich eingesehen hat, dass die Anbiederung zwecklos ist, die Kunstpolitik der Nationalsozialisten treffend beschreibt.

Trotzig stellt er zwei Monate später fest: „Wenn der Künstler ein Werk geschaffen hat, das ihn selbst befriedigt, dann können Kaiser und Könige und ein jeder sagen, es sei nichts, das ändert das Bewußtsein des Schaffenden gar nicht.“ Hier äußert sich ein selbstbewusster Künstler, der trotz Ächtung und „Malverbot“ unbeirrt Kunst schaffend tätig ist.

Im Mai des kommenden Jahres schreibt Nolde: „Die Bilder verbrennen, die Asche vergraben und ein paar Jahre noch vegetierend leben, so als ob ich Maler gar nicht dagewesen wäre. So sei es den Menschen vergolten für alles Leid, für alle Mißgunst, die ich habe ertragen müssen. Es wäre geistiger Selbstmord. Ich will es nicht tun. Alles kann sich wenden!“ Nolde leidet unter dem Malverbot der Nationalsozialisten und formuliert gleichzeitig Hoffnung. Eventuell wird sich alles wenden. Im August desselben Jahres hält Nolde verzweifelt fest: „Soll ich nicht ein wenig denken dürfen? Soll ich weinen, kindlich wie ein Kind – über die Dummheit der Menschen? Soll ich toben wie ein Verzweifelter, wegen der Taten der Menschen? Ich will sein, als ob ich gar nicht da bin.“

Im März 1944 schreibt Nolde über sein Verhalten in der NS-Zeit: „Ich habe geglaubt wie ein Kind voll Liebe an Recht und Vergeltung, und nun bin ich soweit, daß ich jedes angepriesene Recht mit verhaltener Scheu ansehe und prüfend bisweilen am Verzweifeln bin. Einsicht und viel trübe Erfahrungen waren meine Lehrer.“ Nolde inszeniert sich hier als einen politisch Ahnungslosen, der zunächst gutgläubig an Recht geglaubt hat und erst durch schlechte Erfahrungen zu der Erkenntnis gelangt ist, dass nicht alles angepriesene Recht auch rechtens ist. Zum Ende der Zeit des „Dritten Reiches“ ist der Maler von der Westküste den Nationalsozialisten gegenüber kritischer geworden.

Durch die kleinen, tagebuchartigen Aufzeichnungen, die in der Zeit der Ächtung entstanden sind, wird deutlich, dass sich Noldes widersprüchliches Verhalten im Nationalsozialismus auch anhand seiner schriftlichen Äußerungen ablesen lässt. Die „Worte am Rande“ und vor allem die „ungemalten Bilder“ zeigen, dass sich der schleswig-holsteinische Maler seine innere Freiheit während der gesamten Zeit des „Dritten Reiches“ bewahrt hat. Bezüglich seiner Malerei ist er mit den Nationalsozialisten keine Kompromisse eingegangen. Er hat bis zum Ende ihrer Herrschaft sein künstlerisches Werk beharrlich fortgesetzt.

Siehe auch:

Ungemalte Bilder

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