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Kunstwissenschaftler und "Volkserzieher" - August J. Langbehn © izrg

August Julius Langbehn führt bis zu seinem Tod 1907 ein Leben jenseits gesellschaftlicher Normen, wohl auch da er nach seinem Frontdienst im Deutsch-Französischen Krieg und später als Leutnant der Reserve als grundsätzlich antimilitaristisch eingestellter Mensch seinen Platz in der Welt sucht. Er kennt keinen festen Wohnsitz, reist durch Europa, schlägt sich mit Gelegenheitstätigkeiten durch oder lebt auf Kosten anderer, fristet zeitweise ein Eremitendasein bei strenger Diät oder betreibt religiösen Marienkult. In den 1890er Jahren reist Langbehn gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Maler Momme Nissen durch die Welt und stellt "rassenkundliche Beobachtungen" an.

Nach Abitur und einem nicht abgeschlossen Studium in Kiel und München - zunächst in Philologie und Naturwissenschaften, später auch in Mathematik - zieht Langbehn Mitte der 1870er Jahre zwei Jahre durch Italien, wo er seinen Lebensunterhalt durch Gelegenheitsarbeiten verdient. Nach seiner Rückkehr studiert er in München Archäologie, 1880 wird er in diesem Fach promoviert; später wird er die Streichung aus der Promotionsliste beantragen, und als dies scheitert, das Doktordiplom zerrissen an die Universität zurück senden. Schon in dieser Münchner Zeit lebt er ein individuelles Leben, versucht immer wieder durch Verletzungen der bürgerlichen Vorstellungen anzuecken. Nach einer kurzen Zeit am "Deutschen Archäologischen Institut" kehrt er der von ihm als zu beengend empfundenen wissenschaftlichen Laufbahn den Rücken und zieht in den 1880er Jahren wieder durch Deutschland und Italien.

Meist auf fremde Hilfe angewiesen, isoliert sich Langbehn von seinem Umfeld. Er schafft sich einen sehr eigenen Charakter in Form des "treu-biederen Niederdeutschen" als reinster Verkörperung des "Arischen" und der "nordischen Rasse". Langbehn versteht sich als Kritiker seiner Zeit und der bestehenden Kultur.

Seinem ersten Buch "Rembrandt als Erzieher. Von einem Deutschen" (1890) schreibt er volkserzieherische Aufgaben zu. Es erfreut sich großer Beliebtheit; allein im ersten Jahr wird es 15 Mal aufgelegt. Das Werk steht beispielhaft für Langbehns unsystematischen, sprunghaften, umfassend gebildeten und welthistorischen Stil, mit dem er die heimlichen Gedanken mancher Klein- und Bildungsbürger anspricht. Es vermengt Bildungsideale, nationalistische und rassistische Vorstellungen sowie Ideen des Sozialdarwinismus mit romantischen "völkischen" Ansichten. Er zeichnet das Idealbild einer natürlichen, agrarisch strukturierten, ländlichen Gesellschaft gegenüber einer ungesunden verwissenschaftlichten, großstädtischen, industriellen und kapitalistischen Welt, die jedoch durch Erziehung zur "Kunst" überwunden werden könne. Zwei Jahre später veröffentlicht Langbehn mit dem antisemitischen Schriftsteller Max Bewer zusammen das Buch "Der Rembrandtdeutsche. Von einem Wahrheitsfreund", eine Gedankensammlung zu den Themen des erfolgreichen Erstwerks.

Durch das unbeständige Leben Langbehns und seine ungeordneten Gedanken einer arischen Kultur ist sein Wirkungskreis unklar; die "völkische" Bewegung, die "Kunsterzieher" und die Jugendbewegung bringen ihm jedoch große Aufmerksamkeit und zum Teil Verehrung entgegen.

Siehe auch:

"Rembrandt als Erzieher"

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