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Wyk auf Föhr © izrg

Von der besonderen Heilkraft des Meeres und der Seeluft lassen sich Besucher der nordfriesischen Insel Föhr früh überzeugen, so berichtet bereits 1785 ein Zeitgenosse, "die Insel würde ein guter Erfrischungsort sein." Bis diese Erkenntnis in der Eröffnung eines Seebades umgesetzt werden kann, dauert es allerdings noch bis 1819, denn zuvor sorgt die Seefahrt und insbesondere der Walfang auf deutschen, dänischen und niederländischen Schiffen im Eismeer für ein "Goldenes Zeitalter" auf der Insel. Als dieses sich dem Ende zuneigt, schwinden die Widerstände gegen den neuen Erwerbszweig bei den Inselbewohnern.

Auf Betreiben des Land- und Gerichtsvogt Hans von Colditz finden sich Aktionäre zur Finanzierung der ersten Badeeinrichtungen: ein Haus am Sandwall für warme Bäder und Badekarren für kalte Bäder in der Nordsee. Der Kreis der Gäste bleibt zunächst exklusiv: Die Zahl von 61 Badegästen in der ersten Saison steigt bis 1824 nur auf 192. Die stagnierenden Zahlen ändern sich auch nicht wesentlich durch die Schirmherrschaft der dänischen Königstochter, unter der das Bad den Namen "Wilhelminen-Seebad auf Föhr" erhält. Eine deutliche Verbesserung bedeutet hingegen, dass ab 1834 vierzehntägig das Dampfschiff "Elbe" Wyk von Hamburg aus ansteuert und so den Badegästen eine Alternative zum mehrtägigen und beschwerlichen Landweg bietet.

Weitaus stärker profitiert das Seebad von der Entscheidung des dänischen Königs Christian VIII. in den Jahren 1842 bis 1847 allsommerlich mit Familie und Hofstaat von etwa 80 Personen mehrere Wochen in Wyk zu verbringen; Nun wird Wyk bekannt und attraktiv für ein finanzkräftiges und weltoffenes Publikum, zu dem auch der Schriftsteller Hans Christian Andersen gehört. 1847 ist die Zahl der Badegäste auf 1.051 Besucher angewachsen. Diese kurze Blüte des Badebetriebs findet mit dem Tod Christians VIII. 1848 ihr Ende und aufgrund von Großbränden (1857 und 1869), der konfliktreichen Erhebungszeit (1848-1951) sowie dem preußisch-dänischen Krieg (1864) dauert es bis in die Regierungszeit Wilhelm II., bis sich Wyk wieder als Seebad etablieren kann.

Wesentlich dafür ist ein verändertes Profil, mit dem Wyk Abschied vom Glanz der 1840er Jahre nimmt: Neben dem eleganten Westerland auf der Nachbarinsel richtet sich Wyk als Familienbadeort ein - ein reguläres "Familienbad" wird erst in der Saison 1902 eröffnet -, in dem vor allem bürgerliche Familien ihre "Sommerfrische" verleben. Daneben tritt mit dem Klimakuren, insbesondere für Kinder, eine Form des Badebetriebs, mit dem Wyk eine besondere wirtschaftliche Nische findet. 1883 öffnet das erste Kinderheim seine Pforten, weitere folgen. Insbesondere der schwäbische Arzt Dr. Carl Gmelin, der 1898 am bisher unbebauten Südstrand der Insel das Nordseesanatorium mit einem ausgedehnten Kurpark errichtet, und später sein Kollege Dr. Carl Haeberlin stellen die medizinische Wirkung des "Heilbadens" auf eine wissenschaftliche Basis. 1926 gründen sie in Wyk die "Bioklimatische Forschungsstelle".

"Wyk ist das Seebad der Kinder und der Alten", fasst ein Zeitgenosse kurz nach der Jahrhundertwende diese Entwicklung zusammen. Die Strategie, auch auf Kinderheime, Sanatorien und Seehospize zu setzen, erweist sich allerdings als erfolgreich, wie die steigenden Besucherzahlen ausweisen: Bis zum Ersten Weltkrieg kann Wyk den zweiten Rang unter den schleswig-holsteinischen Seebädern hinter Westerland auf der Nachbarinsel Sylt behaupten.

Siehe auch:

Seehospiz in Wyk
Familienbad
Promenieren auf dem Sandwall um 1840
Badeurlaub in Wyk auf Föhr: Neue Verkehrsmittel erleichtern die Anreise
Das "Badeschiff"
Christian VIII. in Wyk
Sommerfrische
Badegäste 1874-1912

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