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Timmendorfer Strand © izrg

Wer heute an einem heißen Sommertag im Ostseebad Timmendorfer Strand an den gut besuchten Straßencafés, luxuriösen Boutiquen und parkenden Edelkarossen - vorzugsweise mit Hamburger Kennzeichen - entlang spaziert, kommt wohl kaum in den Sinn, dass es ausgerechnet einer Jahrhundertsturmflut wie der von 1872 bedurfte, um aus einem "völlig weglosen, unbebauten, kahlen Strand" ein Hauptanziehungspunkt erholungsbedürftiger Großstädter zu schaffen. Zwar gibt es bereits vor jener Nacht vom 12. auf den 13. November einzelne Badehäuser, gegenüber dem etablierten und äußerst mondänen Seebad Travemünde in unmittelbarer Nachbarschaft nimmt sich dies jedoch sehr bescheiden an. Die Sturmflut bringt finanzielle Hilfen aus dem Reich, aber auch viele Schaulustige, die die Schönheit der Lübecker Bucht für sich entdecken.

1908 leistet der Bau der Landungsbrücke den wichtigen Impuls, denn nun können auch der Dampfer des Seebäderdiensts direkt in Timmendorfer Strand anlegen. Zuvor müssen die Badegäste umständlich ausgebootet werden oder die Anreise erfolgt per Kutschenwagen, denn Anschluss an die Eisenbahn gibt es erst ab 1925. Pläne, Timmendorfer Strand zu einem "Kraft durch Freude"-Bad auszubauen, bleiben unrealisiert, obwohl vor allem der "Freiwillige Arbeitsdienst", später "Reichsarbeitsdienst" (RAD) umfangreiche Bauarbeiten vornimmt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es der nunmehr selbstständigen Gemeinde, ein eigenes Profil als Ostseeheilbad zu entwickeln. Das hat nicht nur werbewirksame Effekte zur Folge, sondern bedeutet auch die Voraussetzung für die Bewilligung von Erholungskuren durch die Versicherungsträger. In Zusammenarbeit mit dem "Curschmann-Institut für angewandte Meeresheilkunde" entstehen in Timmendorfer Strand verschiedene Kureinrichtungen, beispielsweise die Trinkkurhalle von 1951. Dadurch erschließt sich das Seebad vollkommen neue und vor allem ältere Besuchergruppen, die Timmendorfer Strand nur der Gesundheit wegen aufsuchen - und zwar zumeist dann, wenn der Großteil der Badegäste bereits abgereist ist. So verlängert sich die Saison von 52 Tagen im Jahr 1951 um mehr als einen Monat auf 81 Tage acht Jahre später. Zugleich verfolgt die Kurverwaltung gezielte Werbstrategien um vor allem auch Berliner Badegäste zu gewinnen, beispielsweise durch die Verschickung von mehreren Güterwagons weißen Ostseesands in das Berliner Stadtbad Wannsee 1956.

Wie viele andere Seebäder an Nord- und Ostsee mag sich auch Timmendorfer Strand dem Bauboom der 1960er und 1970er Jahre nicht entziehen und setzt - wenn auch im deutlich kleineren Maßstab - auf den Bau von großen Hotels. In den 1980er Jahren wandelt sich das Profil des Badeorts erneut. Timmendorfer Strand zieht - neben der Zielgruppe der gesundheitsbewussten Kurgästen - zunehmend ein zahlungskräftiges großstädtisches Publikum an, wodurch das Seebad sein heutiges Erscheinungsbild erhält.

Siehe auch:

Werbegrafik
Gedenkstein
Landungsbrücke
Travemünde

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