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Strandroutine © izrg

Mittels der Methode der "teilnehmenden Selbstbeobachtung" liefert 1965 Hans Pfaffenberger eine Selbstanalyse eines Urlaubs, den der Autor, ein Sozialpädagoge aus Düsseldorf, mit seiner eigenen Familie im Sommer 1964 im Norden der Lübecker Bucht, im kleinen Familienbad K. verbringt. Publiziert wird der Text vom Studienkreis für Tourismus e.V. in den "Materialien für Tourismusforschung". Einige markante Zitate aus dieser (Selbst-)ironischen, skurril anmutenden, gleichwohl scharfsichtigen Arbeit:

Urlaubsplanung:

"Die Beobachterfamilie macht seit Jahren mindestens einmal gemeinsam Urlaub. Dieses Ziel, das ihr aus Gesundheits- und Familiengründen erstrebenswert scheint, ermöglicht sie durch sorgfältige Überlegung und rechtzeitige Planung."

An- und Abreise:

"Zur An- und Abreise wurde der D 410 'Fehmarn' benutzt... Der Zug ist während der Sommerferien natürlich gut besetzt bzw. überfüllt, doch war die rund achtstündige Anreise erträglich, da die Plätze durch Platzkarten gesichert und die Kinder aufgrund ihrer Reiseerfahrung entsprechend eingestellt und mit Spielmaterial versehen waren."

Strandkorbvermietung:

"Die Strandkorbvermietung wird von privaten Unternehmern für jeweils zusammenhängende Strandabschnitte betrieben, deren Größe wie die Zahl der Strandkörbe für die einzelnen Strandkorbvermieter sehr unterschiedlich ist. ... Das bei der Vermietung verfolgte Verfahren ist recht undurchsichtig und hält sich nicht etwa an eine vorgemerkte Reihenfolge. Dadurch entsprechen die Strandkorb- und Strandburg-Nachbarschaften nur selten bzw. nur zufällig den Wohnnachbarschaften und verstärken so aus äußeren Gründen die zentripetale, kontaktarme Situation der Urlauberfamilien untereinander."

Strandburg und Strandkorb:

"Auf die Herrichtung und Ausschmückung von Strandburg und Strandkorb verwendet man unterschiedlich viel Zeit. ... Strandburg und Strandkorb stellen offensichtlich eine Art 'Ferienwohnung im Freien' dar: Ein Großteil des Urlaubslebens spielt sich nicht nur bei schönem Badewetter, sondern auch bei mittelmäßigem Wetter hier ab."

Strandroutine:

"Das Urlaubsverhalten wird ganz vorwiegend bestimmt durch die sogenannte 'Strandroutine'. Darunter verstehe ich ...: Strandburg bauen, ausbessern, verzieren und 'besitzen'; Spielen und Bauen mit Sand ... Lesen und andere Beschäftigungen im Strandkorb; am meisten aber: sich aalen, im Strandkorb sitzen oder liegen zum 'dolce far niente' oder 'lustbetontem Gammeln'."

Aufenthalt im Wasser:

"Gegenüber dem Sitzen, Liegen und Sonnen im Strandkorb spielt der Aufenthalt im Wasser eine erstaunlich geringe Rolle: Gegenüber der Überfüllung des Strandes ist an vielen Tagen die Wasserfläche relativ leer, sie wird nur für verhältnismäßig kurze Zeit aufgesucht (was sicher u. a. an den relativ niederen Wassertemperaturen liegt)."

Strand und Meer:

"An vielen Tagen war deshalb das Wasser verhältnismäßig oder ganz leer von Badenden, auch wenn der Strand ziemlich voll besetzt war: Der Strandaufenthalt gehört zur üblichen Urlaubsroutine, nicht aber das Baden und Schwimmen."

Tagesablauf:

"Der Tagesablauf wurde bei entsprechendem Wetter durch die Mahlzeiten gegliedert und durch die 'Strandroutine' ausgefüllt. Eventuell wurde er noch durch einen Einkaufsbummel untertags und einen Abendbummel über die Strandpromenade nach dem Abendessen ergänzt."

Siehe auch:

Niendorf in den 1960ern

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