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Lakolk © izrg

„Haushohe Dünen, mit üppigem grünen Strandhafer bestanden, malerisch verstreut zwischen denselben – bald hoch oben auf der Höhe, bald tief versteckt im Dünental – in den lebhaftesten Farben gehalten – jedes einzelne verschieden von dem anderen in Bauart und Ausführung reizende, behagliche kleine Blockhäuschen – davorgelagert der herrliche weisse Sandstrand und hinter ihm das tiefblaue, ewige Meer, das ist Lakolk, Deutschlands jüngstes Nordseebad.“ So preist Johannes Christian Jacobsen, Pastor der Nordschleswiger Gemeinde Scherrebek und umtriebiger Modernisierer, in einer Broschüre sein jüngstes Projekt an: ein deutsches Nordseebad auf der Insel Rømø.

1898 ist es soweit: mitten in den Dünensand an der Westküste der Insel gepflanzt, öffnet das „Deutsche Nordseebad Lakolk“ seine erste Saison. Was für ein Unterschied zum mondänen Westerland auf der Nachbarinsel Sylt, das im selben Jahr schon über 12.000 Badegäste zählt: Zwar entsteht bald ein Hotel, die Drachenburg, und 1895 auch ein Restaurant, die „Kaiserhalle“, und selbst ein Schienenstrang windet sich durch die Dünen bis nach Lakolk – allerdings zieht nicht wie angekündigt eine Dampflok die Wagen mit den Badegästen, sondern ein Pferdegespann. Das Nordseebad ist zunächst vor allem eine Ansammlung von – durchaus sehr pittoresken – „Blockhäusern“, nach norwegischem Vorbild erbaut und durch Holzstege miteinander verbunden. In der ersten Saison kommen 300 Badegäste, drei Jahr später sind es immerhin bereits 2.000. Die Unternehmung „Deutsches Nordseebad Lakolk“ ist jedoch nicht nur ein auf finanziellen Erwägungen basierendes Projekt, sondern auch gleichzeitig der persönliche Traum des glühenden Verehrers eines Pseudo-Germanentums, Jacobsen, der sich die Verbreitung des Deutschtums in Nordschleswig und vor allem auf der Insel Rømø auf seine Fahne geschrieben hat. Dazu wird nicht nur ein vermeintlich historisches altfriesisches Dorf „Lakolk“ bemüht, dass sich angeblich an selber Stelle befunden habe. Gegenüber Geldgebern betonen die Initiatoren des Projekts auch die große nationale Bedeutung eines „Deutschen Nordseebads“ auf Rømø, denn dadurch sei eine „Zurückdrängung des Dänentums auf der Insel“ zu erwarten.

Trotz großzügiger finanzieller Zuwendungen durch das schleswig-holsteinische Oberpräsidium und den preußischen Landrat in Hadersleben, platzt der Traum jedoch nach wenigen Jahren, die Badegäste bleiben aus und die Gesellschaft „Nordseebad Lakolk“ geht in Konkurs. Zu beschwerlich erscheint die Anreise, zu abgelegen ist Lakolk und zu groß die Konkurrenz Westerlands. Die meisten Blockhäuser werden an private Besitzer verkauft und der Bädertourismus auf Rømø ruht bis nach 1948 der Bau eines Damms die Insel mit dem Festland verbindet und sie für den Fremdenverkehr wieder attraktiv genug macht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Insel jedoch bereits schon seit Jahrzehnten wieder dänisch.

Siehe auch:

Lageplan
"Nordseebad Lakolk"
Blockhuser in Lakolk
Christian Johannes Jacobsen

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