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Kampen © izrg

"Ein Dorf auf Weltstadt-Niveau" – damit wirbt heute die Gemeinde Kampen auf Sylt und hat insofern recht, als dass Kampen zumindest in der Bundesrepublik als Inbegriff des exklusiven Badeorts der Reichen und Berühmten gilt. Dieser Ruf gründet sich vor allem auf die Zeit der 1960er Jahre, als Kampen Anziehungspunkt für die Prominenten wurde, die den Deutschen die "dolce vita" bundesrepublikanischer Prägung vorlebten.

Seit der dem Anfang des 20. Jahrhunderts entsteht in dem kleinen, nur wenige hundert Einwohner zählendem Dorf Kampen eine Künstlerkolonie unter der Ägide des Schriftstellers und Herausgebers Ferdinand Avenarius mit dem "Gasthaus zum rothen Kliff" als Treffpunkt. Auch nach dem Krieg fühlen sich Intellektuelle von der besonderen Atmosphäre Kampens angesprochen. Umgeben von einer idyllischen Heide- und Dünenlandschaft bewahrt sich das Dorf einen ursprünglichen Charme. Seit 1913 schreibt das Ortstatut vor, dass Neubauten – wenn überhaupt – nur mit Reetdach und in rotem Klinker, in großem Abstand und geringer Höhe errichtet werden dürfen. Der Herausgeber der bürgerlich-linken Wochenzeitschrift "Weltbühne", Siegfried Jacobsen, kauft ein Haus und als regelmäßige Gäste finden sich neben anderen Größen aus Kunst und Kultur auch der Maler Emil Nolde und der Schriftsteller Thomas Mann ein. Aber Kampen ist in der Weimarer Republik keine linksliberale Oase, Hermann Göring ist gern und häufig gesehener Gast, im August 1933 wird er Ehrenbürger der ab 1927 selbstständigen Gemeinde. Wie auf der übrigen Insel erzielt die NSDAP auch in Kampen früh hohe Ergebnisse.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt Kampen seinen Ruf als "kleines St. Tropez", allerdings deutscher Prägung. Es ist eine eigentümliche Mischung aus "Highsociety" und provinzieller Beschaulichkeit: Prominente aus Film, Fernsehen, Medien und Wirtschaft feiern ausschweifende Partys und treffen sich am legendären Nacktbadestrand "Buhne 16". Gleichzeitig existiert daneben auch ein funktionierendes Dorfleben der einheimischen Dorfbewohner. Zwar bleibt Kampen auch nach den 1970er Jahren weiterhin ein äußerst exklusives Refugium der bundesrepublikanischen Prominenz – zwei Drittel der Häuser in Kampen sind heute Zweitwohnsitze – Schlagzeilen in der Boulevardpresse macht das Dorf jedoch nun weitaus seltener.

Siehe auch:

Kampen auf Sylt
Gring als Gast auf Sylt
"Gasthaus zum rothen Kliff"

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