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Adolf-Hitler-Koog © izrg

Dem "Adolf-Hitler-Koog" – dem heutigen "Dieksanderkoog" – in Dithmarschen billigen die NS-Funktionäre ab 1935 Modellcharakter zu. Dabei setzen sich die Nationalsozialisten "ins gemachte Nest": Der 1.300 Hektar große Koog ist bereits seit 1933 "deichreif". In den 1920er Jahren hat lediglich das Geld gefehlt, um die Bedeichung des brach liegenden Landes fertig zu stellen. Baudurchführung und Einweihung vollzieht die NS-Führung dann mit großem propagandistischem Aufwand.

Die Wahl des Namens geht wohl auf eine Initiative des NSDAP-Ortsgruppenleiters Husens und der Gemeindevertretung Friedrichskoogs zurück, die sich sowohl einen Propagandaeffekt für die Partei als auch für die Region versprechen: Die Idee kommt nicht von ungefähr, handelt es sich bei der Region doch um eine der frühen NS-Hochburgen. Sie findet im Meldorfer Landrat Dr. Dr. Ernst Kracht und Kreisleiter Martin Matthiessen einen Fürsprecher, der den Vorschlag an Regierungspräsidenten Anton Wallroth weiterleitet.

Den Bau des "Adolf-Hitler-Kooges" leisten entgegen aller industriellen Entwicklung viele Männer in Handarbeit. Dieses Vorgehen soll die heimische Massenarbeitslosigkeit verringern. So arbeiten 1933 750 Mann am Koog, die vorwiegend aus Hamburg und Kiel stammen. Volkswirtschaftlich ist dieser Schritt absurd; so machen die Löhne später insgesamt 70% der vier Millionen Reichsmark Gesamtkosten aus. Doch die Nationalsozialisten deuten diese Rückkehr zur Handarbeit ideologisch um.

Adolf Hitler weiht "seinen" 1.300 Hektar großen Koog am 29. August 1935 persönlich ein. Die Einweihung durch ihn, "Gauleiter" Hinrich Lohse und andere hochrangige Nationalsozialisten ist ein reichsweit beachtetes Ereignis. Die Stöpen sind bunt geschmückt. SA, SS und "Reichsarbeitsdienst" (RAD) stehen für Hitlers Kolonne Spalier und die Hakenkreuzfahne weht im norddeutschen Wind. Zeitungen berichten ausführlich und drucken Sonderbeilagen, die den "Führer" "volksnah"[mehr] zeigen. Den Höhepunkt der Einweihungsfeier bildet die Grundsteinlegung zur "Neulandhalle", die den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Koog bilden soll. Mit "92 Feuerstellen” – so werden die Siedlergrundstücke genannt – weist der Koog "eine gesunde Mischung von Voll-, Kleinbauern-, Handwerkern und Arbeiterstellen auf”, so Hitler in seiner Einweihungsrede. Derartige "neue Gemeinschaften" entstehen an der gesamten Westküste.

"Kreisbauernführer" Hans Beeck wählt diese im Auftrag des "Reichsnährstandes" aus. Die Siedler müssen keine besonderen Qualifikationen vorweisen, wichtiger sind den Nationalsozialisten die "rassische Eignung" sowie ein "Ariernachweis" bis zum Jahr 1800. Die "Richtlinien für die Auswahl und Vermittlung neuer Bauern", die vom "Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft" stammen, schließen "Bewerber aus, bei denen zu befürchten ist, dass sie wegen ihrer Charaktereigenschaften Unfrieden in die Kolonie hereintragen"; "Dies gilt insbesondere dann, wenn die Bewerber wegen Körperverletzung (…) vorbestraft sind" . Beeck kümmert diese Richtlinie bei seiner Auswahl wohl nicht, als er einen "alten Kämpfer" erwählt, der rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilt ist. Im Jahre 1960, fünfzehn Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, heißt es in der Festschrift zum 25-jährigen Jubiläum des Dieksanderkooges dann unkritisch und distanzlos zur Vergangenheit: NS-Kreisbauernführer Beeck habe "für absolute Sauberkeit innerhalb der neuen Kooggemeinschaft" gesorgt.

Ernst Prinz, Kieler Architekt, sorgt für eine einheitliche Umsetzung "nationalsozialistischer Aufbauarbeit" im Koog. Die Bewohner siedeln in drei unterschiedlich großen Bauernhaustypen. Unter Zeitdruck scheint es nicht möglich, die Dächer mit regionaltypischem Reet zu decken. Als Alternative dienen naturbraune holländische Pfannen. Die "Neubauern" müssen sich mit anfangs bescheiden ausgebauten Wohn- und Wirtschaftsteilen zufrieden geben. Auch das Gasthaus und die beiden Schulen werden eingepasst: "Hier ist ein Ganzes gestaltet vom Anfang bis zum Ende.”

Siehe auch:

Zeichnung auf dem Innentitel der nationalsozialistischen Denkschrift zur Landgewinnung „Trutz Blanke Hans“ aus dem Jahr 1936.
NS-Landgewinnung an der Nordseeküste: Inszenierung und Realität
Volksnähe
Neulandhalle
Adolf Hitler - Ideologie
Grundsteinlegung
Wehrverband
Einweihung des "Adolf-Hitler-Kooges"
Hitler mit drei "nordischen" Mädchen

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