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Industriearbeiter © sdu

Während der Industrialisierung wächst die Zahl der Arbeiter in den Städten stark. Ihre Arbeitsverhältnisse sind oftmals sehr schlecht und ihre Wohnungen normalerweise kalt und ungesund. Erst nach 1900 werden die Verhältnisse ernstlich besser.

Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die Städte größer und größer. In den sozial untersten Gruppen - den Arbeiterfamilien - war der Bevölkerungszuwachs am größten. Dadurch stieg die soziale Ungleichheit in den Städten.

Die Verhältnisse unter denen Arbeiter in den Städten leben mussten waren sehr unterschiedlich und hingen mit dem Industriezweig zusammen, in dem die Arbeiter beschäftigt waren. Außerdem spielte auch der Wohnort eine Rolle in diesem Zusammenhang. Jedoch gab es Gemeinsamkeiten, die sich quer durch die verschiedenen Industriezweige und geografischen Lagen ziehen.

Die Arbeiter fingen erst um die Jahrhundertwende oder kurz nach dem Jahr 1900 an, sich ernsthaft in Gewerkschaften zu organisieren. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie kreuz und quer übers Land zerstreut. Die Arbeiter riskierten ihre Arbeit zu verlieren, wenn sie sich gegen die Arbeitsbedingungen auflehnten. Nach Schleswig-Holstein kamen in diesen Jahren viele Einwanderer - insbesondere aus dem übrigen Deutschland - die mitverantwortlich für das steigende Arbeitsangebot waren. Den Arbeitgebern fiel es deshalb leicht Ersatz für schwierig Arbeiten zu finden.

Über viele Jahrzehnte hinweg bedeutet dies, dass die Arbeitsverhältnisse innerhalb der Industrie schlecht waren. Es gab keine oder nur unbedeutende Gesetze zum Schutz der Arbeiter. Dies galt auch für Schleswig-Holstein, obwohl Bismarck im Laufe der 1880er Jahre eine neue Sozialgesetzgebung einführt, die auch in der Gegenwart verhältnismäßig modern erscheint. Die Arbeit war oftmals gefährlich, die Arbeitszeiten lang und der Lohn konnte nur schlecht eine Familie mit einigen Kindern versorgen.

Um das Jahr 1900 arbeiteten die meisten Industriearbeiter 10-12 Stunden pro Tag. Sie fingen morgens um 5-6 Uhr an und gingen erst um 18-19 Uhr abends nach Hause. Normalerweise gab es eine halbstündige Pause am Vormittag, eine einstündige Mittagspause und wieder eine halbstündige Pause am Nachmittag. Die verschiedenen Industriezweige unterschieden sich jedoch diesbezüglich. Beispielsweise betrug die Arbeitszeit in der Eisengießerei Carlshütte bei Rendsburg nur etwa 10 Stunden, weil die Pausen länger waren. Dies hing mit der harten Arbeit zusammen, die längere Ruhepausen forderte.

Sonntagsarbeit war auch sehr üblich. In Dänemark verbot das Feiertagsgesetz aus dem Jahr 1891, dass die Industriearbeiter sonntags arbeiteten. Das Gesetz wurde jedoch auf mehrere Weise umgangen. Deshalb dauerte es einige Jahre ehe die Sonntagsarbeit ganz abgeschafft wurde. Urlaub war für die meisten Industriearbeiter ein Fremdwort. Seit Anfang der 1890er Jahre hatten einzelne Arbeiter einzelne freie Tage. Der bezahlte Urlaub setzte sich jedoch rechtlich erst in den 1920er Jahren durch.

Überall in Europa reduzierte sich die Sterblichkeit deutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dies hatte unter anderem mit der verbesserten Ernährung, der besseren Hygiene und den Verbesserungen in der Medizin zu tun. Die Sterblichkeit unter Männern in den industrialisierten Städten blieb jedoch sehr hoch. Die Sterblichkeit unter Männern war in den 1890er Jahren 50 % höher in Kopenhagen als auf dem Land in Dänemark. Die Sterblichkeit unter Frauen war "nur" 20 % höher, was mehrere Gründe hatte. Die Fabrikarbeit war sowohl gefährlich wie auch ungesund, verglichen mit der Arbeit auf dem Land. Gleichzeitig bedeutete die vergleichsweise niedrigen Einkünfte der Fabrikarbeiter, dass sie sich schlechter ernährten als die Menschen - hierunter die Landarbeiter - auf dem Land. Schließlich waren viele der Arbeiterwohnungen in den Städten sowohl feucht als auch kalt. Insgesamt bedeutete dies für die Arbeiterbevölkerung in den kräftig anwachsenden Industriestädten, dass sie sich in einem größeren Masse als die Landbevölkerung mit Krankheiten und Unfällen herumschlagen mussten.

Es gelang der sozialdemokratischen Gewerkschaft nach und nach einen großen Teil der Industriearbeiter zu organisieren. Sowohl in Schleswig- Holstein als auch in Dänemark wurden nach 1880 nationale und lokale Gewerkschaftsbunde gegründet. Obwohl Arbeitgeber und Behörden versuchten dies zu verhindern, fanden die Gewerkschaftsverbände laufend größeren Anschluss in der Bevölkerung. Hierdurch verbesserten sich die Lebensbedingungen der Arbeiter zweifellos. Eine graduelle Verbesserung ihrer Lebensbedingungen in den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges kann nachwiesen werden. Die sozialen Verhältnisse verbesserten sich jedoch erst so richtig später im Laufe des 20. Jahrhunderts.

Diese Geschichte erscheint in folgenden Themen:
Industrialisierung
Modernisierung und Tradition
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