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Erinnerungsorte © sdu

Wenn Zeugen in einer Strafsache ein Verbrechen beschreiben sollen, fällt die Beschreibung oft sehr verschieden aus. Wenn Nationen historische Episoden interpretieren, sieht es ähnlich verschieden aus. Denn es ist nun mal verlockend, seine eigene Rolle etwas auszuschmücken. Beim Aufbau der Nationen im 19. Jahrhundert war es vielleicht sogar eine Notwenigkeit?

Ein Friedhof ist ein Ort an dem man den toten Verwandten und Freunden gedenkt. Egal, ob sie einen Grabstein haben oder in einem anonymen Grab liegen, ist der Friedhof der Ort, an dem man ihrer gedenkt. Man kann seinen Verlust beweinen oder darüber nachdenken, was der Tote einem für die Zukunft mit auf den Weg gab. Es können gute wie schlechte Gedanken sein.

Aus dem gleichen Grund stellen Gruppen von Menschen Monumente auf für Begebenheiten oder Menschen, die Bedeutung für ihr Leben hatten und denen sie gemeinsam gedenken wollen. Zum Beispiel wurde 1928 ein Gedenkstein bei Odense enthüllt. Er wurde für P.V. Elmholt aufgestellt. Er war ein Redakteur der das "Fyn Venstreblad" zu einer bekannten Morgenzeitung machte. Das Ereignis war ein großer Erfolg und man konnte den früheren Staatsminister Zahle dazu bringen eine Rede zu halten. Doch 32 Jahre später stand der Stein einer Brauerei im Weg und wurde entfernt. Daraufhin lag er hinter einem Gemeindebüro mit der Inschrift nach unten und nur ein Zufall brachte ihn neun Jahre später zu neuen Ehren.

Ein Monument ist also keine Garantie dafür, dass die Erinnerung an die nächste Generation weitergegeben wird. Wenn eine Erinnerung für die Nachwelt bewahrt werden soll, muss sie eine Botschaft haben, die auch für die Nachwelt von Bedeutung ist. Ansonsten werden sie belanglos für diejenigen, welche die Person oder das Ereignis selber nie miterlebt haben.

Historiker benutzen den Begriff "Erinnerungsstätten" für sowohl konkrete als auch abstrakte Orte, die einen wichtigen Platz in der Erinnerung der Nation haben. Es kann sich um bestimmte Plätze, Personen, Mythen, Gedenkstätten und Symbole verschiedener Art handeln. Erinnerungsstätten entstehen, wenn einige sich dafür einsetzten eine bestimme Erinnerung zu bewahren. Doch gleichzeitig legen sie auch fest, was wichtig ist zu erinnern. Deshalb werden Erinnerungsstätten oft Gegenstand einer Diskussion, wie die Geschichte interpretiert werden soll. Welches gemeinsame nationale Selbstverständnis sollte man der nächsten Generation durch Gedenkstätten vermitteln? An was soll zum Beispiel die Schlacht bei Düppel 1864 die Dänen erinnern? An die Vaterlandsliebe und Aufopferung oder politische Unverantwortlichkeit? Und an was soll es die Deutschen erinnern? An die Vaterlandsliebe oder an den Zynismus des Führers?

Viele der Erinnerungsstätten, die wir heute kennen, entstanden in der Kindheit der Nationalstaaten. Als man im 19. Jahrhundert neue Staaten aufbaute, war es wichtig eine gemeinsame Identität für das Volk zu schaffen. Die kollektive Erinnerung - Geschichte - war eine wichtige Zutat. Es war wichtig einige Fixpunkte zu schaffen, die sowohl den Zusammenhalt symbolisierten als auch das eigene Volk im Verhältnis zu anderen Nationen abgrenzten.

Schleswig-Holstein waren von großer Bedeutung für den Aufbau des dänischen und des deutschen Staates. Die wiederkehrenden Konflikte zwischen dänisch und deutsch Gesinnten schufen eine Vielzahl an Gedenkstätten, die noch immer wichtig für das dänische und deutsche Selbstverständnis sind. Doch sie werden auch Debatten über Inhalt und Interpretationen ausgesetzt. Die Diskussionen werden nicht weniger interessant, wenn man weiß, dass viele Gedenkstätten sowohl dänisch als auch deutsch sind. Doch sie haben verschiedene Bedeutungen für die nationalen Identitäten.

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Geschichtskultur
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