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Sprache im nationalen Kampf © sdu

Die Sprache wird ab den 1840er Jahren bis zum Krieg von 1864 ein wichtiger Faktor im nationalen Kampf in Schleswig. Sie wird zur Hauptfrage, die benötigt wird, um die Bevölkerung zu mobilisieren und hinein in die nationalen Bewegungen im Herzogtum zu ziehen.

Einer von König Christian VIII. ersten großen Beschlüssen nach seiner Krönung war der Sprachenerlass für Nordschleswig. Am 14. Mai 1840 wurde der Erlass unterschrieben und bekam in den Jahren danach entscheidende Bedeutung für die Entwicklung des nationalen Kampfes. Der Erlass an sich war nicht besonders bahnbrechend, aber beide nationalen Bewegungen nutzen die Sprachpolitik aktiv in ihren Kampagnen.

Die Sprache ist ein wichtiger Teil dessen wie Menschen sich selbst auffassen, aber sie ist nicht der einzige Faktor der menschlichen Identität. Eine Identität kann lokal, regional oder national sein und der Einzelne kann gleichzeitig mehrere verschiedene Identitäten haben.

Alles deutete darauf hin, dass sich bei viele Menschen im Herzogtum Schleswig die Auffassung ihrer Identität in den Jahren vor dem Dreijährigen Krieg änderte. Ein wichtiger Grund hierbei war, dass die wenigen aktive Agitatoren sehr bewusst versuchten, nationale Identitätsauffassungen zu schaffen.

In Holstein war die Sprache immer Deutsch gewesen. Deshalb wurde die Sprache nur in Schleswig zentral im nationalen Kampf genutzt. Anfang des 18. Jahrhunderts war Schleswig in verschiedene Sprachgebiete aufgeteilt. Nach Süden hin war die Sprache in Städten und Dörfern überwiegend Deutsch. In Nordschleswig sprach die ökonomische und politische Bürgerschaft in den Städten Deutsch. Die Volkssprache auf dem Lande und bei den niederen Sozialschichten in den Städten war hauptsächlich Dänisch. Schließlich wurde Friesisch im westlichen Teil Schleswigs und auf den Inseln an der Westküste gesprochen.

Die Sprachgrenze zwischen Dänisch und Deutsch war nicht scharf, kann aber doch einigermaßen präzise angegeben werden. Sie entsprach fast der jetzigen dänisch-deutschen Grenze. Mit einer Tendenz dazu, dass Deutsch stärker nördlich der Grenze in der Gegend von Tondern vertreten war und Dänisch verbreiteter südlich der Grenze um Flensburg herum gesprochen wurde. Es gab aber ein überlappendes Gebiet, in dem ein großer Teil der Bevölkerung zweisprachig war. Außerdem wurde in der Region Plattdeutsch und Südjütisch gesprochen. Der Unterschied zwischen diesen Sprachen ist kleiner als der zwischen Reichsdänisch und Hochdeutsch. Viele Wörter und Ausdrücke ähneln einander.

Der entscheidende Punkt war, dass obwohl Dänisch typische Volkssprache auf dem Land in Nordschleswig war, doch die Verwaltungs- und Rechtssprache Deutsch war. Die meisten Beamten waren in Kiel ausgebildet worden und sprachen nur Deutsch. 1836 brachte ein nordschleswigsches Mitglied der Ständeversammlung den Vorschlag ein, dass Dänisch als Verwaltungs- und Rechtssprache auf dem Land in Nordschleswig eingeführt werden solle, in denselben Gebieten, in denen die Unterrichtssprache in den Schulen Dänisch war. Ende der 1830er gab es in der Versammlung weite Einigkeit darüber, dass es nur gerecht sei, dass Dänisch sprechende Nordschleswiger mit ihrem Pastor und Richter Dänisch sprechen konnten.

Während der 1840er Jahre wurde die Sprache politisiert. Das hing unter anderem damit zusammen, dass die Nationalliberalen in Kopenhagen forderten, dass die Dänen in einem größeren Teil Nordschleswigs in den Schulen auf Dänisch unterrichtet werden sollten. Sie sollten auch das Recht haben Dänisch mit den öffentlichen Behörden zu sprechen. Gleichzeitig wiesen der Herzog von Augustenburg und die lokalen Beamten alle Pläne Dänisch als Verwaltungs- und Rechtssprache in Nordschleswig einzuführen entschieden ab. Dass Peter Hiort Lorenzen im November 1842 Dänisch in der Ständeversammlung sprach, trug dazu bei die Sprache zu einem nationalpolitischen Zentralpunkt zu machen. Der König und die Regierung versuchten von Kopenhagen aus um die schlimmsten Problemen herum zu lavieren, hinkten aber der Entwicklung zeitlich immer hinterher und heizten stattdessen das nationalpolitische Feuer mit an.

Nach Ende des Dreijährigen Krieges führte die dänische Regierung eine aggressive Sprachpolitik in Schleswig durch. Sie war Teil einer sehr aktiven dänischen Kulturpolitik, die das Dänentum fördern sollte. Im Februar und März 1851 wurden sehr gewichtige Spracherlässe herausgegeben. Das Ziel war die Bevölkerung in Nord- und Mittelschleswig zu zwingen Dänisch zu sprechen. Dem Dänentum sollte zum Vormarsch in Schleswig verholfen werden, aber das erwies sich - milde gesagt - als Irrtum. Die dänische Sprachpolitik in den Jahren nach Ende des Dreijährigen Krieges wurde ein ständig wachsendes Problem im Verhältnis zu den deutschen Staaten. Sie trug so dazu bei Bismarcks Angriff auf Dänemark 1864 zu legitimieren.

Diese Geschichte erscheint in folgenden Themen:
Grenzen
Nationaler Gedanke
Sprachen, Traditionen
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