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Kaiserliche Marine © sdu

Kaiser Wilhelm II. wünscht sich eine starke deutsche Flotte. Dies wird Helgolands Schicksal, sowohl vor als auch während des Ersten Weltkriegs.

Für den deutschen Kaiser Wilhelm II. war es ein großer Wunsch, der sich erfüllte, als Deutschland 1890 Helgoland von England übernahm.

"Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser", meinte er und nun würde es leichter sein, eine starke deutsche Kriegsflotte aufzubauen. Denn England war zweifellos Europas stärkste Seemacht und es wäre nicht so einfach gewesen, wenn sie in der Helgoländer Bucht platziert gewesen wäre.

Zu diesem Zeitpunkt standen die europäischen Länder in starker Konkurrenz zueinander. Darwins Evolutionslehre prägte die Einstellung vieler und darauf fußte die Meinung, dass nur die stärksten Länder eine sichere Zukunft haben würden. Deutschland war in einer besonderen Situation. Das neue deutsche Kaiserreich war erst 1871 gegründet worden und musste sich anstrengen, eine Führungsposition zu erlangen. Ökonomisch gelang dies hervorragend. Die Industrialisierung hatte in England begonnen, das lange an der Spitze lag, aber Deutschland war dabei es einzuholen. Ein anderes Feld, auf dem die Länder konkurrierten, war die Aneignung von Kolonien. Hier lag Deutschland zurück. Wenn es sich Hoffnung machte in Übersee zu herrschen, musste es eine starke Flotte haben.

Schon bei der Übertragung Helgolands an Deutschland konnte man wohl ahnen, welche Zukunft auf die Insel zukam. Die Festlichkeiten standen im Zeichen des Militärs und Kaiser Wilhelm wurde von den Offizieren von 10 Kriegsschiffen begleitet. An Land traf er auf Admirale, Generale und Staatssekretäre und sowohl draußen in der Bucht als auch im Hafen sah man eine Auswahl an Schiffen der deutschen Flotte. Es wurde ein Feldgottesdienst abgehalten, zu dessen Abschluss 3.000 Marinesoldaten vorbei defilierten. Ja, Wilhelm war froh über sein Militär und nicht zuletzt die Marine!

In der Presse wurden die nationalen Saiten gespielt. Die Aneignung von Helgoland wurde als Erweiterung des Vaterlandes angesehen und es wurde an das Nationalgefühl des einzelnen Deutschen appelliert. Es gab aber auch einige, die meinten, es sei ein schlechter Tauschhandel: ein großes afrikanisches Gebiet gegen eine kleine Felseninsel.

Aber für Wilhelm war die Sache klar: Helgoland sollte ein Stützpunkt für seine Kriegsschiffe werden. Bald wurde eine Mole angelegt, an der größere Frachtschiffe mit Baumaterialien anlegen konnten. Und es wurden Kasernen, Lazarette und Lager unter anderem für Munition gebaut. Es wurde ein unterirdisches Tunnelsystem für Transport und Lagerung angelegt. Es wurden Geschütztürme mit weit reichenden Kanonen gebaut und eine Haubitzenbatterie mit acht versenkbaren Standplätzen. Und das war erst der Anfang!

1897 wurde Konteradmiral von Tirpitz zum Leiter des deutschen Marineministeriums berufen. Im Jahr darauf setzte er das Gesetz durch, das den Grundstein für Deutschlands Nordseeflotte legen sollte. Die Flotte sollte die Konkurrenz mit der englischen aufnehmen und das Fahrwasser zwischen Helgoland und England sollte ihr wichtigstes Arbeitsgebiet sein. So musste Helgoland weiter befestigt werden! Die Insel konnte sowohl als Vorposten zur Verteidigung der norddeutschen Flüsse und des neu erbauten Kaiser-Wilhelm-Kanal dienen, als auch gleichzeitig Ausgangspunkt für offensive Flottenaktionen sein.

Die vorherigen Anlagen wurden modernisiert und mit Flugabwehrgeschützen und - für den Falle einer Invasion - mit Scheinwerfern und Maschinengewehrtürmen ausgerüstet. 20 Hektar Neuland wurde eingedeicht und ein großer Kriegshafen mit allen notwendigen Einrichtungen gebaut. Auch für einen kleineren Flugplatz für die Marineflieger war Platz.

Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, mussten die Helgoländer die Insel verlassen, die mit etwa 3.000 Mann besetzt wurde. Die militärische Rolle der Insel blieb überwiegend passiv. Nach der ersten - ein wenig zufälligen - Seeschlacht vor Helgoland, bei der die Küstenverteidigung wegen Nebels nicht eingesetzt werden konnte, hielten sich die Engländer von der Helgoländer Bucht fern. Stattdessen sperrten die deutschen Kriegsschiffe die Nordsee, indem sie bei Dover und zwischen Schottland und Norwegen patrouillierten. Die einzige große Seeschlacht, die Skagerrak-Schlacht (auf Dänisch: Jütland-Schlacht), brachte die Deutschen dazu, auf weitere Offensiven zu verzichten. Dagegen wurde Helgolands U-Boot-Hafen Ausgangspunkt für zahlreiche Aktionen in Nordsee und Atlantik.

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